Erster Eindruck: Julia Engelmann. Poesiealbum.

„Und jetzt singt sie auch noch?“, wird sich bestimmt der ein oder andere denken. Gerade im Internet konnte ich ähnliche Reaktionen des Öfteren lesen, als bekannt gegeben wurde, dass Julia Engelmann ein eigenes Album veröffentlicht. Dieses Album, das den Namen „Poesiealbum“ trägt, wurde letzten Freitag, den 03.November veröffentlicht. Ich persönlich bin aktuell natürlich noch euphorisch, was Julia betrifft, da ich sie selber erst vor zwei Wochen im Circus Krone live gesehen habe. Falls ihr dazu noch mehr lesen wollt klickt einfach hier.

Was erwartetet einen nun, wenn man das „Poesiealbum“ kauft? Im Endeffekt sind es hauptsächliche Gedichte von Julia, die man bereits aus ihren Gedichtbänden „Eines Tages, Baby“, „Wir können alles Baby“ und „Jetzt, Baby“ kennt, ergänzt durch musikalische Untermalung. Außerdem finden sich komplett neue Text bzw. Lieder auf dem Album.

Ganz aus dem Blauen heraus, kommt die „Singerei“ jedoch nicht, wie der ein oder andere Julia vielleicht vorwerfen würde. So hat sie bereits auf ihrer ersten Tour einige Lieder gesungen und das immer weiter ausgebaut. Vor zwei Wochen war es dann so, dass jedes zweite Lied von professionellen Musikern begleitet wurde. Das war wohl auf der letzten Tour noch nicht so. Hier hat sich Julia lediglich während zwei Gedichten mit der Gitarre selbst begleitet. Julia hat das abwechselnde Singen von Gedichten mit einer Parfümprobe verglichen. Sie meinte, wie man einen guten Geruch nur genießen kann, wenn man zwischendurch an Café riecht, benötigt man zwischen zwei Gedichten auch ein wenig musikalische Abwechslung, um dann wieder die Gedichte in ihrer Reinform genießen zu können. Dieses Jahr erschien dann auch ihre erste Single „Grapefruit“, in der sie den gleichnamigen Text in ein Lied umgewandelt hat. Es hat sich also durchaus abgezeichnet, dass Julia gerne Musik macht.

Nachdem nun also die Formailia geklärt und die Künstlerin verteidigt wurden, folgt nun meine persönliche Meinung nach dem ersten Eindruck bzw. nach einmaligem Hören. Großartig finde ich den Namen „Poesiealbum“ für das Album, weil es eben Gedichte sind, die musikalisch vertont wurde. Vor allem auf der Tour fand ich es schön und abwechslungsreich, dass auch ab und zu gesungen wurde. Dort wurden jedoch meiner Meinung nach auch nur die gelungeneren Vertonungen gesungen. So funktioniert das Singen der Gedichte manchmal. Meiner Meinung nach jedoch leider nicht immer. „Grapefruit“, „Lass mal ne Nacht drüber Tanzen“ und „Kein Modelmädchen“ sind finde ich wirklich gelungen und es macht richtig Spaß, die Gedichte, die ich schon fast auswendig kenne, auch einmal auf andere Weise zu rezipieren. Dabei klingen die Lieder wunderbar naiv und leicht und spiegeln zu hundert Prozent den ursprünglichen Charakter der Poetry Slams wider. Bei anderen Texten finde ich die musikalische Vertonung total unpassend. Besonders der Text „Stille Poeten“, den ich eigentlich liebe, gefällt mir gesungen überhaupt nicht.

An dieser Stelle komme ich auch nicht umhin zu bemerken, dass Julia zwar eine absolute Wortkünstlerin, meiner Meinung nach aber keine besonders gute Sängerin ist. Das kann zwar durchaus charmant wirken, aber ich wollte es eben nur kurz erwähnen, dass man das Album mit Sicherheit nicht wegen des musikalischen Anspruchs kaufen sollte.

Trotz einiger Kritikpunkte war das Album auf keinen Fall ein Fehlkauf und ich würde es auch jedem empfehlen, der die Texte von Julia Engelmann gerne liest oder hört. Um es, wie gewohnt in einer Sternekategorie auszudrücken: 4/5

 

Bild: http://www.juliaengelmann.de/

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