Buch Wien – Teil I.

Nachdem wir also am Bahnhof in St. Pölten in Richtung Wien losgezogen sind, war die Vorfreude auf unendlich viele Bücher und die Buchmesse noch größer, als an den Tagen zuvor. Eine sehr gute Freundin und ich hatten uns nach langer Zeit wiedergesehen und beschlossen: Wir besuchen die Buchmesse in Wien. Da sie aktuell in St. Pölten lebt und Passau – das muss ich loswerden – eine weitaus erschwinglichere Variante bot, eine Buchmesse zu besuchen, taten wir das nun. Am Bahnhof in Wien-Meidlingen ging es zunächst weiter mit der S-Bahn Richtung Krieau. Kaum ausgestiegen und den Kopf einmal geschwenkt, stand man direkt vor dem mächtigen Gebäude, in welchem die Buch Wien hausierte. Zu 9783351036430Beginn sind wir ein wenig orientierungslos durch die einzelnen Verlagsstände geschlendert, doch um Punkt 12.00 fanden wir uns am Literaturcafé mit der kleinen Bühne wieder und lauschten der Lesung mit anschließendem Interview von Slavenka Drakulic und ihrem Buch Dora und der Minotaurus. Zugegebenermaßen hatte ich mich wenig informiert und bin im Nachhinein sehr froh darüber, denn so hatte es einen Hauch von Überraschung und die Neugier darauf war geblieben.
In ihrem vorgestellten Buch ging es um Dora Maar und ihrer Beziehung zu Pablo Picasso. Insbesondere um ihre gewissermaßen „materielle“ Fühlweise gegenüber Picasso. Denn wie Drakulic selbst im Interview erzählte, war Pablo gewissermaßen ein Genie und sah die Welt mit ihren Lebewesen ganz anders. Er sah sie als Material und Stoff für seine Kunst an und weniger das menschliche in ihnen, wie in Dora Maar.
„So eine Geschichte über solch eine Frau zu schreiben, geht wohl nicht ohne die Entzauberung eines solchen Liebhabers“, hinterfragte die Moderatorin Annemarie Türk. Drakulic erklärte daraufhin, dass sich eine solche Geschichte schlecht ohne diese schreiben und erzählen ließe. Es beschrieb Picasso aus der Nähe und zeigte eine ganz neue Dimension zwischen den beiden mit ihrer unterschiedlichen Beschaffenheit. Dabei wies sie auf Picasso eben als dieses Genie hin. Dass jedes Genie ein Kannibale sei, insofern absorbieren sie alles, sprich die Menschen und die Welt in der sie leben und betrachten alles als Material für ihre Kunst. Dora wollte in dieser Geschichte mehr sein und herausstechen. Aber dies betraf nicht nur sie, bemerkte Drakulic, sondern auch alle anderen Frauen in Picassos Leben. Sie alle stellten diese Materialität für ihn dar.

Da ich das Buch Dora und der Minotaurus noch nicht gelesen habe, stand für mich sehr schnell fest, ich muss es haben. Denn die kurzen Leseausschnitte waren scharfsinnig, tief und machten nachdenklich. Mir gefiel ihre Art aus Doras Sicht zu schreiben. Daher empfehle ich jedem, der Interesse an Picasso als Genie und komplizierten Liebesbeziehungen hat, dieses Buch zu lesen. Etwas schade fand ich, dass der Aufbau-Verlag keinen Messestand hatte und entweder habe ich es übersehen oder ich bin am Ende der Lesung zu schnell von Dannen gezogen, aber ich sah leider keine Möglichkeit ihr Buch auf der Messe zu erwerben.

dav

Teil II findest du hier.

3 Kommentare zu „Buch Wien – Teil I.“

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