[Rezension] Stiller.

„Mein Wärter ist enttäuscht, aber darin ist auch etwas Gutes, merke ich mehr und mehr; gerade die enttäuschenden Geschichten, die keinen rechten Schluß und also keinen rechten Sinn haben, wirken lebensecht.“

„Ich bin nicht Stiller!“ Ein Satz, den jeder literaturbewanderte Mensch kennen sollte. Ein Satz, der absolute Verzweiflung ausdrückt und auch gleichzeitig die zentrale Frage des Buches in sich trägt: Wer ist Stiller? Und genau diese Frage hat mich besonders als ich angefangen habe zu lesen regelrecht verfolgt. So habe ich die verschiedensten Lösungsmöglichkeiten des Rätsels durchdacht und war sehr gespannt weiterzulesen.

Gerade anfangs hatte ich wirklich absolut keine Ahnung, in welche Richtung das Buch denn geht. Geht es wirklich darum einen Mord aufzudecken? Oder sollen die Lebensgeschichten vieler verschiedener Menschen erzählt werden? Geht es um einen geistig verwirrten Mann? Geht es um Kunst? Die Antwort auf diese ganzen Fragen gibt es meiner Meinung nach nicht wirklich.

Tatsächlich geht es meiner Meinung nach tatsächlich um einen geistig irgendwie verwirrten Mann. Einen Mann, der versucht seine Identität abzulegen. Das gelingt ihm auch sehr glaubwürdig. Zumindest ich als Leser war zunächst wirklich überzeugt davon, dass wir es hier nicht mit Stiller zu tun haben. Dann treten jedoch immer mehr Menschen aus der Vergangenheit Stillers auf. Zwar bemerken diese durchaus, dass es nicht mehr derselbe Mensch sei, erkennen jedoch trotzdem Stiller.

Das Buch vermittelt finde ich auf literarisch sehr schöne Weise, dass man sich zum einen nicht von seiner Vergangenheit lossagen kann. Besonders aber nicht von den Personen und Begegnungen der Vergangenheit, die einen zu dem Menschen machen, der man ist.

Während Hermann Hesse den Protagonisten Stiller überschwänglich lobt, finde ich die Figur Julika Stiller-Study sehr berührend und interessant. Sehr gerne würde ich mehr über diese gescheiterte und tragische Figur lesen.

Im Allgemeinen fand ich die Ausführungen einzelner Episoden etwas zu langatmig. Und ich habe selbst den Fehler gemacht, das Buch nicht in einem Durch zu lesen. So ging mir der Blick für das Große Ganze leider etwas verloren. Die letzten Wochen waren unibedingt aber leider so stressig, dass ich kaum dazu gekommen bin zu lesen. Da kann das Buch natürlich nichts dafür.

Preis: 10.- € (Taschenbuch)
Seiten: 448
Erscheinungsjahr: 1973

[Rückblick] Die Buchsaiten Blogparade zum Jahresabschluss 2017.

Ganz ehrlich gesagt ist die Bloggerwelt für Hannah (buechergeblaetter) und mich noch ganz neu. Um darin Fuß zu fassen, beschäftige ich mich mit ein paar anderen Blogs rund um Literatur, aber auch über Lifestyle (sprich Kochen oder Mode): Wie zum Beispiel den schönen Blog von Petzi.

Und Petzi ist dieses Jahr die Gastgeberin für die 9. Blogparade für den diesjährigen Jahresabschluss bzw. Rückblick. Es ist auch das erste Mal, dass ich von dieser Aktion gelesen habe und ich finde wirklich Gefallen daran. Denn ich saß sicherlich mehrmals dreißig Minuten vor meinem Laptop und habe überlegt welche Bücher unerwartet gut waren oder welches Cover am schönsten war. Also…

…welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

Witzigerweise, ist es das erst zuletzt von mir rezensierte Buch auf unserem Blog: Eine Frage der Höflichkeit von Amor Towles. Da es aufgrund des Klappentextes wenig Eindruck bereitet hat und dann aber mit der Gesamtheit verzaubert und mitgerissen hat. Die vollständige Buchrezension findest du hier.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

Für diese Frage habe ich sehr lange überlegen müssen, denn dieses Jahr habe ich nicht einmal meine Lesechallenge auf Goodreads mit 25 Büchern geschafft. Das lag aber daran, dass ich für die Universität sehr viel lesen musste und hauptsächlich bestand dies aus Fontanes Werken. Und tatsächlich war ich hier von Schach von Wuthenow etwas enttäuscht. Denn mir gefiel Fontanes eigen geschriebener Klappentext sehr und ich hatte mich auf einen spannenden Schmöker eingestellt, um dann aber festzustellen, dass das halbe Buch aus politischen Diskussionen bestand.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Von Autoren die ich bisher nicht kannte: Doris Knecht, eine Vorarlberger Journalistin. Momentan lese ich von ihr Wald.

Von den Autoren die ich zwar kannte, aber noch nie einen Roman gelesen hatte, war es Theodor Fontane. Denn auch wenn – wie er selbst des Häufigeren sagt – handlungsarme Bücher schreibt, so ist seine Sprache wie Balsam für meine Seele.

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

u1_978-3-596-52148-7Das schönste Cover dieses Jahr hatte für mich Thomas Manns Buddenbrooks, welches beim Fischer Verlag erschienen ist. Denn der Verlag hat das ursprüngliche Cover der Erstausgabe wiederaufbereitet. Was für mich, als Nostalgie-liebender-Mensch eine Kaufpflicht war.

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2018 lesen und warum?

Unbedingt lesen möchte ich Slavenka Drakulics´ Roman Dora und der Minotaurus. Das Interview auf der Buch Wien dieses Jahr, hat mich einfach überzeugt und sehr neugierig gemacht. Ich hoffe ich werde auch beim Lesen noch davon schwärmen und für euch genauso begeistert rezensieren können. Wenn du mehr über meine Messeerfahrung lesen willst und Drakulics´ Buch, dann kannst du das hier.

Schöne Weihnachten!

[Rezension] Eine Frage der Höfflichkeit.

9783548610955_coverDieser unscheinbare Roman lag bei mir sicherlich schon einige Jahre im Regal und machte mehrere Umzüge mit. Deshalb bin ich mir auch nicht mehr sicher, aus welcher Mängelexemplar-Kiste er stammt. Sein fürchterlicher und langweiliger Klappentext war es definitiv nicht, der mich begeistert hat und hat dem Buch auch sicher keine schwindelerregenden Verkaufszahlen beschert. Nichts desto trotz hatte ich ihn also irgendwann einmal gekauft und nun hat er nach all den Jahren wieder in meine Hände gefunden.

Amor Towles entführt uns in die Welt einer jungen New Yorkerin. Eine Frau die aus einfachen Verhältnissen kommt und ihren Weg zum Glück sucht. Dabei begegnet sie dem Schicksal und trifft schwierige Entscheidungen, die ihr Leben formen, um doch am Ende festzustellen, dass alles irgendwie seinen Platz in der Welt hat. Katey oder wie sie sich zu der emanzipierten, zielstrebigen Kate entwickelt, zeigt uns wie man mit Mut seinen Zielen näherkommen kann. Der Roman startet Silvester 1937 und schildert wie sich das turbulente Dreiergespann Katey, Tinker und Eve findet und jeder seinen Weg entdeckt.

Ich hatte also alles andere als einen guten Roman erwartet. Zumindest war meine Intention dahinter ein miserables Buch zu finden und zu lesen um es auf Effi niest. zu rezensieren. Damit muss ich jetzt enttäuschen, denn es war ein wundervoll geschriebener Roman, einen den man nicht in alle Einzelteile zerlegt und kritisiert. Ich musste mich dabei wirklich zurückhalten ihn eben nicht an einem Tag zu lesen.

Towles hat dabei eine Welt geschaffen, in der die wahre Liebe keinen Platz hat. Wenn ihr LaLa Land gesehen habt – kann ich übrigens nur zu gut empfehlen – so ist Eine Frage der Höflichkeit eine Mischung aus New Yorker LaLa Land und Fitzgeralds´ The Great Gatsby. Mit viel Schwung und Mut zu Abenteuern und dem unausweichlichen Offensichtlichem: Nicht immer bedeutet die Liebe das wahre Lebensglück.

Wer neugierig auf Amor Towles Roman geworden ist, sollte sich auch bei seinem 2016 erschienenen, bisher zweiten Buch, angesprochen fühlen. Ein Gentleman in Moskau wird sich auch auf meiner Leseliste für das neue Jahr 2018 wiederfinden.

List Taschenbuch
416 Seiten
 9.99 €
ISBN 13 9783548610955

#buylocal

Schöne Bescherung.

Frisch aus der Kitschwelt komme ich her, ich kann euch sagen, es weihnachtet sehr!

Es ist wieder so weit: Wir befinden uns mitten in der Weihnachtszeit und verlieren in regelmäßigen Abständen die Kontrolle über unser Verhalten. Wir grölen „Last Christmas“ im Auto vor uns hin, sehen uns Filme an, deren Titel wie „Christmas Prince“ nur so nach Sexismus und Kitsch schreien. Dinge gegen die wir uns das ganze Jahr über wehren. Und auch wenn die meisten Menschen offiziell von Weihnachtsliedern spätestens zum 24. Dezember genervt sind, verweisen Radiosender ab Anfang November auf den Wunsch ihrer Hörer nach Weihnachtsliedern.
Und natürlich kann sich auch der Buchmarkt dem Weihnachtszauber nicht entziehen. Im Folgenden möchte ich euch meine Weihnachtsbücher vorstellen, die ich die letzten Jahre so gelesen habe.

Wer den absoluten Kitsch sucht, ist bei Sarah Morgan an der absolut richtigen Stelle. Ihre beiden Bücher „Weihnachtszauber wider Willen“ und „Winterzauber wider Willen“ spielen in einem winterlichen Familienresort innerhalb der Familie, die den Resort leiten. In den „Winter“-Bänden finden zwei der drei Brüder die große Liebe. Und wer gar nicht genug bekommen kann von der Familie O`Neil, dem kann man das „Sommer“-Pendant „Sommerzauber wider Willen“ empfehlen, in dem der dritte Bruder seine Angebetete erobert. Natürlich sind die Geschichten vorhersehbar aber ich finde auch durchaus charmant und absolut familien- und weihnachtsathmosphärisch. Ich finde es auf jeden Fall schade, dass ich dieses Jahr den letzten Band lese.

Sehr gut gefallen hat mir auch „Das Weihnachtsglas“ von Jason F. Wright. Ich glaube es muss mittlerweile schon drei Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe. Aber kann mich erinnern, dass mich die Geschichte damals unglaublich berührt hat. Ich glaube es geht um eine Reporterin, die über einen ganz bestimmten Weihnachtsbaum berichtet.

Richtig witzig fand ich den „Weihnachtshund“ von Daniel Glattauer, der auch Klassiker wie „Gut gegen Nordwind“ geschrieben hat. Ich musste wirklich teilweise laut loslachen beim Lesen, was natürlich auch daran liegen kann, dass ich selbst einen etwas eigentümlichen Hund zuhause habe. Wirklich, wirklich zu empfehlen! Das mit Abstand witzigste Buch, das ich je gelesen habe!

Nicht allzu empfehlenswert find ich „Weihnachtsglitzern“. Es war mir einfach zu langweilig und klischeebehaftet. Aber dabei eben zu wenig charmant und speziell. Auch das Theater rund um das am schönsten dekorierte Schaufenster fand ich etwas nervig. Für mich der Beweis, dass es durchaus qualitativ unterschiedlichen Kitsch gibt.

Und zum Abschluss noch eine echte Herzensempfehlung: „Eine wundersame Weihnachtsreise“ habe ich damals zu Abiturzeiten gelesen und kann mich immer noch genau darin erinnern, weil es für mich sämtliche Weihnachts-Kriterien enthält. Eine wirklich magische Geschichte mit ganz viel Weihnachten und Liebe. So muss das sein.

Also hier mein offizieller Apell: Gebt euch Weihnachten hin. In seiner ganzen Gänze und mit eurer ganzen Gänze! Einfach den Kopf ausmachen, sich über nichts ärgern und nicht allzu kritisch mit sich selbst sein, weil man vielleicht gerade einen Käse liest. Und auch nicht zu kritisch mit den Autoren sein, die eben auch einfach ihre innerliche „Weihnachtssau“ herauslassen müssen. So wie wir es eben alle tun, wenn wir im Auto laut und ungebeten „Last Christmas“ von uns grölen.

Frohe Weihnachten!

[Rezension] Tonio Kröger und Mario der Zauberer.

Zitat: „Ich liebe das Leben. Dies ist ein Geständnis.“

Bedingt durch mein Schulpraktikum musste ich nach über vier Jahren noch einmal Tonio Kröger lesen. Dabei fand ich es sehr witzig zu entdecken, dass ich dem Buch damals auf goodreads sehr trotzig einen Stern gegeben habe. Haha da hat sich wohl mein pubertäres Ich durchgesetzt. Jetzt also zu meiner erneuten Leseerfahrung:

Alles in allem bleibe ich dabei, dass Thomas Mann schreiben kann und natürlich auch zurecht in der Schule gelesen wird. Dabei hat mir „Tonio Kröger“ aber um einiges schlechter gefallen als „Mario und der Zauberer“. „Tonio Kröger“ hat meiner Meinung nach vor allem in der Schule den großen Vorteil, dass man an dem Werk sehr schön und deutlich Oppositionen herausarbeiten kann. Das kann man dann natürlich aber auch als Banalität auslegen und somit kritisieren. Ich finde, dass man eben dann irgendwann wirklich verstanden hat, wie sehr anders Tonio Kröger ist im Vergleich zu seinen angebeteten Hans Hansen und Ingeborg Holm.
Die Novelle spiegelt ja vor allem den Zwiespalt zwischen Bürgertum und Künstlertum wieder, den Tonio ständig in sich spürt. Das finde ich kommt sehr deutlich rüber und so schafft es Thomas Mann einiges mehr zu erzählen, als auf der Textoberfläche erkennbar ist. Natürlich lässt sich das Werk auch wieder leicht autobiographisch sehen und als eventuelle Selbstreflexion des Autors und seinem Verhältnis zur Kunst. Mich persönlich hat es gerade wegen der Künstler-Thematik sehr an „Tod in Venedig“ erinnert, dass ich auch erst vor kurzem gelesen habe. Allerdings hat sich für mich „Tod in Venedig“ irgendwie natürlicher und auch allgemein interessanter gelesen als „Tonio Kröger“.
Alles in allem bleibt also festzustellen, dass Tonio nach wie vor nicht mein Lieblingswerk der deutschen Literatur ist, ich meine doch sehr harte 1-Sternebewetung von vor vier Jahren jedoch korrigieren möchte:

3/5 Sterne von mir.

 

Weitaus mehr Begeisterung konnte bei mir „Mario und der Zauberer“ auslösen. Bereits zum Beginn der Novelle wurde bei mir großes Interesse geweckt. Meine Neugierde, was denn das unsägliche Ereignis sei, von dem zu Beginn berichtet wird, hat mich dazu getrieben das Buch nicht mehr weglegen zu können.
Auch die italienische Atmosphäre hat es mir, ähnlich wie bei „Tod in Venedig“ wieder angetan. Man merkt einfach den großen Einfluss Italiens auf Thomas Mann. In jedem seiner Werke.
Die Haupthandlung, die an dem in der Novelle vorgeführten Abend stattfindet, hat mir sehr gut gefallen. Absolut dramatisch und bedrohlich schildert Mann so das Vorgehen des Zauberers. Als Leser kommt man nicht umhin, die Atmosphäre, die bei dieser Veranstaltung zu herrschen scheint, förmlich aufzusaugen. So steigert sich die Anspannung mehr und mehr.
Dass die gesamte Novelle einen Verweis auf den drohenden Faschismus darstellt, macht Thomas Mann bereits zu Beginn klar. Besonders diese Komponente bzw. Parallele hat mir sehr gut gefallen.

4/5 Sterne von mir.

 

Seiten: 127
Preis: 5,95
Erscheinungsjahr: 1903/1930