[Rezension] Tonio Kröger und Mario der Zauberer.

Zitat: „Ich liebe das Leben. Dies ist ein Geständnis.“

Bedingt durch mein Schulpraktikum musste ich nach über vier Jahren noch einmal Tonio Kröger lesen. Dabei fand ich es sehr witzig zu entdecken, dass ich dem Buch damals auf goodreads sehr trotzig einen Stern gegeben habe. Haha da hat sich wohl mein pubertäres Ich durchgesetzt. Jetzt also zu meiner erneuten Leseerfahrung:

Alles in allem bleibe ich dabei, dass Thomas Mann schreiben kann und natürlich auch zurecht in der Schule gelesen wird. Dabei hat mir „Tonio Kröger“ aber um einiges schlechter gefallen als „Mario und der Zauberer“. „Tonio Kröger“ hat meiner Meinung nach vor allem in der Schule den großen Vorteil, dass man an dem Werk sehr schön und deutlich Oppositionen herausarbeiten kann. Das kann man dann natürlich aber auch als Banalität auslegen und somit kritisieren. Ich finde, dass man eben dann irgendwann wirklich verstanden hat, wie sehr anders Tonio Kröger ist im Vergleich zu seinen angebeteten Hans Hansen und Ingeborg Holm.
Die Novelle spiegelt ja vor allem den Zwiespalt zwischen Bürgertum und Künstlertum wieder, den Tonio ständig in sich spürt. Das finde ich kommt sehr deutlich rüber und so schafft es Thomas Mann einiges mehr zu erzählen, als auf der Textoberfläche erkennbar ist. Natürlich lässt sich das Werk auch wieder leicht autobiographisch sehen und als eventuelle Selbstreflexion des Autors und seinem Verhältnis zur Kunst. Mich persönlich hat es gerade wegen der Künstler-Thematik sehr an „Tod in Venedig“ erinnert, dass ich auch erst vor kurzem gelesen habe. Allerdings hat sich für mich „Tod in Venedig“ irgendwie natürlicher und auch allgemein interessanter gelesen als „Tonio Kröger“.
Alles in allem bleibt also festzustellen, dass Tonio nach wie vor nicht mein Lieblingswerk der deutschen Literatur ist, ich meine doch sehr harte 1-Sternebewetung von vor vier Jahren jedoch korrigieren möchte:

3/5 Sterne von mir.

 

Weitaus mehr Begeisterung konnte bei mir „Mario und der Zauberer“ auslösen. Bereits zum Beginn der Novelle wurde bei mir großes Interesse geweckt. Meine Neugierde, was denn das unsägliche Ereignis sei, von dem zu Beginn berichtet wird, hat mich dazu getrieben das Buch nicht mehr weglegen zu können.
Auch die italienische Atmosphäre hat es mir, ähnlich wie bei „Tod in Venedig“ wieder angetan. Man merkt einfach den großen Einfluss Italiens auf Thomas Mann. In jedem seiner Werke.
Die Haupthandlung, die an dem in der Novelle vorgeführten Abend stattfindet, hat mir sehr gut gefallen. Absolut dramatisch und bedrohlich schildert Mann so das Vorgehen des Zauberers. Als Leser kommt man nicht umhin, die Atmosphäre, die bei dieser Veranstaltung zu herrschen scheint, förmlich aufzusaugen. So steigert sich die Anspannung mehr und mehr.
Dass die gesamte Novelle einen Verweis auf den drohenden Faschismus darstellt, macht Thomas Mann bereits zu Beginn klar. Besonders diese Komponente bzw. Parallele hat mir sehr gut gefallen.

4/5 Sterne von mir.

 

Seiten: 127
Preis: 5,95
Erscheinungsjahr: 1903/1930

Ein Gedanke zu „[Rezension] Tonio Kröger und Mario der Zauberer.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s