[Rezension] Die Buchhandlung.

„Ich wüsste nicht, daß Männer bessere Urteile fällen können als Frauen, sagte Florence, aber sie verschwenden viel weniger Zeit damit, ihre Entscheidungen zu bereuen.“

Die Buchhandlung_FitzgeraldAutoren mit dem Namen Fitzgerald stehen  in meinem Regal einige viele. Von The Great Gatsby über ganz unbekannte skurrile Romane wie Pigtopia. Das Penelope Fitzgerald mit Jane Austen zu den großen englischsprachigen Erzählern gilt und mit Preisen wie dem Booker Prize ausgezeichnet wurde, waren mir bis dato unbekannt.

Aufmerksam bin ich vor circa 2 Wochen im Kino geworden, denn da lief in einer Filmvorschau der Trailer Der Buchladen der Florence Green. Zunächst habe ich mir über den Titel gar keine Gedanken gemacht, als ich dann aber das Buch in den Händen hielt und es wie folgt betitelt wurde: Die Buchhandlung, habe ich mich mächtig aufgeregt. Es ist als wenn man zu einer Buchhandlung Bücherei oder Bibliothek sagt. Und „Buchladen“ ist im Vergleich zu „Buchhandlung“ ein eher langweiliges eintöniges Wort. Warum der Titel ebenso um den Namen der Protagonistin erweitert wurde ist mir auch unklar. Nichts desto trotz um auf das Kernstück zurück zu kommen und überhaupt den Kreis zu meiner Einleitung zu schließen: Es war ein kleines fantastisches Buch. Sämtlichen Werke von Autoren die witzigerweise Fitzgerald heißen und in meinem Regal stehen, waren ausnahmslos fantastisch.

Die Buchhandlung spielt in einem kleinen abgelegenen Dorf in Suffolk. Dabei ist Florence Green als Witwe mittleren Alters die Heldin, die sich mit dem Mut einer Löwin und dem Elan zu einem Neuanfang mit einem selbständigen Unternehmen traut. Das eine Buchhandlung schon damals ein schwieriges Unterfangen war, zeigt sich in diesem Roman nur allzu deutlich. Bis heute hat sich diese Tatsache nicht geändert.

Die kleine Geschichte selbst hat meiner Meinung nach den Höhepunkt in den frechen und brieflichen Korrespondenzen zwischen Mrs. Green und ihrem Anwalt Mr. Thornton. Dabei nimmt Florence Green kein Blatt vor den Mund und lässt sich nicht einmal von ihrem Anwalt irgendwo hineinreden. Die Buchhandlung, die sie eröffnet, findet in Hardborough zunächst großen Anklang. Dabei wird Florence, dennoch von den Einwohnern argwöhnisch und voreingenommen beäugt und kritisiert. Als sich dann auch die „upper class“ in Gestalt von Mrs. Gamart einschaltet und Florence einen Strich durch die Rechnung machen möchte, versucht Mrs. Green um den Erhalt der Buchhandlung weiter zu kämpfen.

Penelope Fitzgeralds Figuren bilden in der kurzen Geschichte ein vollendetes Bild. Dabei hätten sich nicht unterschiedlichere Charaktere gegenüberstehen können und sich gegenseitig auf eine so charmante Art und Weise beeinflussen.

In Allem eine wundervolle Geschichte über den Mut zu Neuanfängen und gegen die Entmutigung und den Druck und der Meinung der gesellschaftlichen Konventionen.

„Es hofft der Mensch so lange er lebt.“

Insel Verlag
164 Seiten
8,00 €
ISBN 978 3 458 36046 9

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Den Film kann ich mir nun natürlich nicht mehr entgehen lassen. Habt ihr ihn schon gesehen?

[Rezension] Von Männern, die keine Frauen haben.

„Was bin ich eigentlich?“ (Das eigenständige Organ)

Haruki Murakami als japanischer Autor ist in meinen Literaturgefilden ein totaler Exot. Ich möchte ihn vielweniger als Bestsellerautor betiteln – was ihm meiner Meinung n9748_Murakami_Tsukuru_U1_final.inddach nicht ganz gerecht wird – vielmehr ist er ein Wunder der Schriftstellerei. Einer der Wenigen die von Anhieb an zu meinen Favoriten gehörte. Seine Bücher wie 1Q84 hatte ich einige Male in den Händen, besaß aber nie die Muse und die Motivation sie zu erwerben und zu lesen. Erst durch den Fund in der Städtischen Bücherei ist Von Männern, die keine Frauen haben mir beinah wörtlich per Zufall in die Hände gefallen. Jede der einzelnen „long short stories“ habe ich mir für je einen Tag bzw. eine Hin- und Rückfahrt mit dem Bus zur Arbeit vorgenommen. Manchmal sogar mit einem oder zwei Tagen Pause zwischendurch. Besonders dann, wenn mir eine Geschichte nicht aus den Gedanken gehen wollte.

Ehrlich gesagt hatte ich zu Beginn überhaupt keine Vorstellung über die Handlungen, die Zeit in der sie spielten oder den direkten kulturellen Ort. Diese Unvoreingenommenheit war perfekt. Der Titel sagt im Grunde die Art und Weise bereits aus, um welches Thema es in den Geschichten grob gehen soll, aber jede hätte nicht grundlegend verschiedener sein können.

Die Kurzgeschichte, die mich am meisten beschäftigte und auch am besten gefiel, ist Das eigenständige Organ. Sie handelt von einem japanischen Schönheitschirurgen, der als Junggeselle mittleren Alters allein ohne feste Bindung lebt. Als Dr. Tokai ist er in der Geschichte durchgehend bekannt und wird durch seinen Freund, Herrn Tanimura, im Verlauf porträtiert. Die Freundschaft der beiden Männer verläuft nur über einen sehr kurzen und abrupt endenden Zeitraum. Dabei steht Dr. Tokais Privatleben mit und zu Frauen im Zentrum, dass er immer nur unkomplizierte Beziehungen als „Nebenmann“ bevorzugt, anstelle einer richtigen Beziehungen mit Gefühlen, wird ausführlich beleuchtet. Der Höhepunkt und somit Wandel, welcher der Figur dann zum Verhängnis wird, macht den semantischen Standpunkt der „Liebe“ fest. Mit der Frage „Was bin ich eigentlich?“ stürzt sich Dr. Tokai in eine ungewisse Tiefe in seinem bisher unkomplizierten Leben. Mehr möchte ich auch gar nicht verraten, sonst würde ich beinah eine der 7 Kurzgeschichten damit zunichtemachen. Viel lieber möchte ich die Neugier wecken, auch einmal Murakamis meisterhafte Erzählungen zu lesen oder zu lauschen.

Die sprachliche Gestaltung die Murakamis Werke als solch Populäre auszeichnet, sind nicht nur seine langen intensiven Dialoge der Figuren, sondern auch die sprachlichen Bilder und Vergleiche:

„Wenn Kafuku eine Episode aus seiner Jugend erzählte, lauschte Takatsuki mit ernster Miene. Wie ein Kurator, der die Andenkensammlung eines anderen Menschen verwaltete.“ (Drive my Car)

Jede der Geschichten hat ihre eigene Einfühlsamkeit und ihre eigene Ehrlichkeit. Dabei wandern die Themen von Liebe über Gefühl bis hin zu einer nackten Sexualität, die nicht intimer erzählt hätte werden können.

Dumont
254 Seiten
19,99€ gebunden
ISBN 978 3 8321 9781 0

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