[Rezension] Wald.

U1_978-3-87134-769-6.inddZuerst möchte ich einmal erläutern worauf ich gehofft und was ich gedacht hatte, als ich das Buch auf der Buch Wien gekauft habe. Denn das hat doch sehr zu meinem Urteil beigetragen und Einfluss genommen. Der Wald als ruhiger, vielleicht auch verwunschener Ort, der alle Sinne beansprucht, sollte also im Roman eine einnehmende Rolle spielen, denn nicht grundlos ziert er das wirklich schöne Cover und den Titel. Das feuchte Moos, das Rauschen des Windes in den Bäumen, Vogelgezwitscher und das Nass des Flusses, der Duft von Erde, Nadelbäumen und feuchten Laub, das alles kommt mir in den Sinn, wenn ich mir den Wald imaginiere (wahrscheinlich noch viel mehr). Im Roman erfahren wir wenig über den Wald und mehr über das Leiden der Protagonistin Marian, welches im Buch als so Todgleich geschildert wird und ich, als eben nicht Mittvierzigerin, kaum nachvollziehen kann. Viel zu sehr liegt Knechts Fokus auf der Ausdehnung der „ach so verkehrten Weltansicht und Dummheit“, die Marian durchlebt hat. Und der Wald dabei? Spielt also „nur“ die Rolle des Schutz- und Rückzugraums und wird aber in keiner Weise als diesen ausgewiesen.

Demnach wäre die Handlung grob beschrieben, denn außer dass Figuren nach und nach zusammengefügt und vorgestellt werden, passiert wenig. Vielmehr arbeitet Marian, früher Marianne, ihre Fehler in der Karriere und gescheiterten Beziehung zu Männern auf.

Was das Buch dennoch literarisch wertvoll macht und somit lesenswert, ist die Sprache und der Sprachstil. Denn Knecht monologisiert Eins-zu-eins die Gedanken aus Marians Gehirn. In meist kurzen, schnell aneinander getakteten Sätzen und Satzeinheiten. Man fühlt und durchlebt die Gedankenspiele irgendwie persönlich und doch ganz nah mit ihr mit. Auch ihre witzigen und schroffen Neologismen und ihren Hang zu modernen Wortmixen lockert die ernste Thematik, wie beispielsweise „Untermoisterisiertheit“, auf.

„Schön“ (Vorsicht Sarkasmus!) fand ich auch die Buchempfehlung bzw. den Kommentar der Zeitschrift Brigitte auf der Rückseite des Buches, „woher, zum Teufel kennt Frau Knecht uns […]“. Damit wären wir nun alle über einen Kamm geschert und somit psychisch labil und zunächst unfähig in armen Verhältnissen zu leben. Das als eine Möglichkeit zur Interpretation dieser Aussage.

Rowohlt Taschenbuch Verlag
271 Seiten
9.99 €
ISBN 978 3 499 26787 1

#buylocal

Und nun zuletzt doch eine Frage an euch, denn vielleicht liege ich komplett falsch und meine Meinung ist ja auch nur eine von vielen, aber woran denkt ihr, wenn euch spontan das Buch in der Ladenauslage anlächelt? Und hattet ihr schon ähnliche „überraschende“ Erfahrungen?

[Geplauder] Neues Jahr, Neues lesen 2018.

Zumindest sollte das doch ein guter Vorsatz für das Jahr 2018 sein und werden. Denn zuletzt hatte ich nur mäßig, bis gar keine Zeit zu lesen und mich einfach mal für mehrere Stunden am Stück eingemummt zurückzuziehen. Doch ich denke, sobald zumindest meine Bachelorarbeit im März abgeschlossen sein sollte, dürfte das kein Problem mehr werden. Deshalb habe ich nicht nur für euch, sondern auch für mich schon fleißig Lesewünsche und Neuerscheinungen gesammelt und auf eine to-read Liste gesetzt.

Die bisherige Auswahl:

  1. Doris Knecht – Wald
  2. Slavenka Drakulic– Dora und der Minotaurus
  3. Andrew Michael Hurley – Loney
  4. Andy Morton – Diana. Her true story
  5. Thomas Mann – Buddenbrooks
  6. Charlotte Brontë – Jane Eyre
  7. Matthew Weiner – Alles über Heather (Tipp von @Wissenstagebuch)
  8. Colleen Oakley – Die kuriosen Symptome der Liebe
  9. Jane Gardam – Die Leute von Privilege Hill
  10. Haruki Murakami – Von Männern, die keine Frauen haben
  11. Ingrid Noll – Falsche Zungen
  12. Penelope Fitzgerald – Die Buchhandlung
  13. Kit de Waal – Mein Name ist Leon
  14. Laurence Sterne –  Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman (Tipp von @Malte H.)
  15. Peter Stamm –  Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt  (Lesung)
  16. Meg Wolitzer –  Das weibliche Prinzip
  17. Jeannette Walls – Schloss aus Glas
  18. Thomas Glavinic – Das größere Wunder
  19. Janet Lewis – Die Frau, die liebte
  20. Lars Lenth –  Der Lärm der Fische beim fliegen
  21. Emily Ruskovich – Idaho
  22. Axel Ransich – Nackt über Berlin
  23. Max Scharnigg – Der restliche Sommer
  24. Jens Sparschuh – Das Leben kostet viel Zeit
  25. Tommi Kinnunen – Wege, die sich kreuzen
  26. Robert Seethaler – Ein ganzes Leben
  27. Svenja Flaßpöhler – Die potente Frau
  28. Anthony Horowitz – Die Morde von Pye Hall
  29. Wolfram Eilenberger – Zeit der Zauberer
  30. Mary Beard – Frauen und Macht
  31. Andrew Sean Geer – Mister Weniger
  32. Maggie Nelson – Bluets

[Diese bisher noch bedürftige Auswahl wird sich sicher stetig noch ändern und erweitern, denn nicht alle Bücher lassen sich an einem Tag entdecken. Dabei ist wahrscheinlich auch auffällig, dass ich nicht nur Neuerscheinungen aus diversen Genres lese, sondern auch Klassiker.]

Vielleicht habt aber auch ihr schon das ein oder andere Werk auf meiner Liste gelesen oder kennt es sogar. Ihr könnt mir auch ganz einfach auf Goodreads folgen und sehen was ich lese und lesen möchte.

Habt ihr noch einen genialen Lesetipp für das neue Jahr?